
Entspannung durch bewusstes Atmen
Nervt Ihr Partner Sie, weil er regelmäßig laut seufzt? Oder werden Sie selbst immer wieder gefragt, ob es Ihnen schlecht geht, nur weil Ihnen nach einer anstrengenden Tätigkeit oder beim Gedanken an bevorstehende Aktivitäten ein Seufzer auskommt?
Studien beweisen es: Ein tiefer, hörbarer Seufzer wirkt spontan befreiend. Was intuitiv geschieht, hat handfeste physiologische Gründe.
Sie seufzen nie?
Stimmt nicht! Jeder Mensch seufzt ungefähr alle 5 Minuten unbewusst, ohne es zu merken. Der tiefe Atemzug, bei dem doppelt so viel Luft eingeatmet wird als bei einem normalen Atemzug, hat die lebenswichtige Aufgabe, mit dem Extra-Sauerstoff zusammengefallene Lungenbläschen (=Alveolen) wieder aufzublähen. Denn ohne die rund 300 bis 400 Millionen dünnwandigen Lungenbläschen in unserer Lunge würde der Gasaustausch nicht funktionieren: Der Sauerstoff aus der Atemluft würde nicht mehr in ausreichender Menge ins Blut gelangen und das Kohlendioxid aus dem Blut nicht mehr an die Atemluft abgegeben. Unsere Atmung würde versagen.
Das regelmäßige unbewusste Seufzen, das den Gasaustausch sicherstellt, die Atmung verbessert und die Atemwege stärkt wird vom Seufz-Zentrum im Atemzentrum in unserem Hirnstamm gesteuert.
Seufzen fürs Wohlbefinden
Richtig bewusst wird uns das Seufzen meist nur, wenn wir unter besonderer Anspannung stehen. Die Gründe für dieses emotionale Seufzen sind bisher noch ungeklärt. Warum Seufzen zur Entspannung führen kann, ist allerdings erwiesen: Der längere Vorgang des Ausatmens beim Seufzen aktiviert den Vagus, den Entspannungsnerv, der nicht nur der längste Nerv unseres Körpers ist, sondern auch der Hauptnerv des Parasympathikus. Er sorgt dafür, dass unser Körper sich erholt, Herzschlag und Blutdruck sinken, Stresshormone abgebaut werden, wir einen ruhigeren Schlaf haben und unser Organismus sich verjüngt.
Grundsätzlich aktivieren wir den Vagus mit jedem tiefen Ausatmen. Daher eignet sich tiefes Durchatmen bzw. eben auch Seufzen, um in stressigen Situationen Ruhe zu bewahren.
Kleine Geste, große Wirkung
Kinder seufzen noch ganz natürlich, wenn sie müde, erleichtert oder zufrieden sind. Erwachsene können von ihnen lernen, diese spontane Körperreaktion ganz bewusst einzusetzen und damit Kehlkopf, Atem und Nervensystem Gutes zu tun. Ein Seufzer braucht weder Vorbereitung, noch Technik – nur die Erlaubnis, ihn zuzulassen.

Anleitung zum physiologischen Seufzen in Stresssituationen und bei Angstattacken
- Möglichst entspannt durch die Nase ein- und ausatmen.
- Durch die Nase tief in den Bauchraum einatmen und vor dem Ausatmen noch einmal einatmen. (Das zweite Mal kann von kurzer Dauer sein.) Dabei Schultern und Nacken möglichst locker lassen.
- Nun langsam ausatmen. Das Ausatmen sollte länger dauern als das zweimalige Einatmen.
- Mehrfach wiederholen, bis sich Entspannung einstellt.

