Schwindel im Alltag?

Das Gefühl, dass der Boden plötzlich unter einem schwankt bzw. man ihn überhaupt verliert, ist mehr als beunruhigend. Kein Wunder, dass Schwindel zu den häufigsten Gründen für Arztbesuche zählt.

Schwindel kann nicht nur in verschiedenen Formen auftreten, er kann auch unterschiedlichste Ursachen haben: von einer Verspannung der Nackenmuskulatur über Blutdruckschwankungen bis hin zur Nebenwirkung eines Medikaments. Auch wenn die Ursache oft harmlos ist, sollte Schwindel jedenfalls ernst genommen werden. Denn er kann nicht nur die Lebensqualität einschränken, sondern erhöht auch das Sturz- und damit das Verletzungsrisiko.

Warum uns überhaupt schwindelig wird …

Schwindel ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Unser Gleichgewichtssinn hält uns rund um die Ohr in Balance: Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, die Augen, die Wahrnehmung unseres eigenen Körpers in Form bestimmter Reize aus unserem Körperinneren und Empfindungen über unsere Körperoberfläche sowie das Nervensystem liefern dem Gehirn ständig Informationen über Lage und Bewegung unseres Körpers. Stimmen diese Informationen bzw.
Signale nicht überein oder fällt eine Informationsquelle aus, so kann das zu Schwindel führen.

Welche Schwindelformen gibt es?

Schwindel ist nicht gleich Schwindel. Die Medizin unterscheidet verschiedene Auftrittsformen, die teilweise auch Rückschlüsse auf die Ursache zulassen.

  • Beim Drehschwindel hat man das Gefühl, dass sich die Umgebung oder man selbst wie auf einem
  • Karussell dreht. Häufige Ursache dafür sind Störungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr, der sogenannte gutartige Lagerungsschwindel.
  • Der Schwankschwindel wird oft von Verspannungen in der Nackenmuskulatur ausgelöst. Wie der Name schon erahnen lässt, fühlt man sich bei dieser Schwindelart wie auf einem schwankenden Boot.
  • Psychogener Schwindel bzw. Benommenheitsschwindel tritt häufig bei Stress oder psychischer Belastung auf. Er zeichnet sich durch ein generelles Gefühl der Unsicherheit und Benommenheit aus, Betroffene berichten von einem Watte-artigen Gefühl im Kopf.
  • Beim sogenannten Liftschwindel hat man plötzlich das Gefühl, wie in einem Fahrstuhl oder einer Achterbahn abrupt nach oben oder unten befördert zu werden. Ursache ist meist eine Störung des Gleichgewichtsorgans, Liftschwindel kann aber auch mit psychischen Erkrankungen einhergehen.

Häufige Schwindelursachen im Alter

Gründe für Schwindel gibt es viele, bei Menschen über 65 kommt bestimmten Faktoren besondere Bedeutung zu.
Arbeiten etwa unsere Augen nicht mehr zuverlässig, so fehlen unserem Gehirn wichtige Informationen, um das Gleichgewicht zu halten.
Auch die altersbedingte Abnahme der Anzahl der Sinneszellen im Innenohr führt zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit und einer Verringerung der Sensibilität, was Schwindel verursachen kann.
Winzige Kristallsteinchen im Gleichgewichtsorgan im Innenohr sind Auslöser für gutartigen Lagerungsschwindel. Das ist der am häufigsten diagnostizierte Schwindel, der zwar nur wenige Sekunden andauert und auch nicht gefährlich, aber dennoch sehr unangenehm für Betroffene ist.
Zusätzlich dazu können auch Entzündungen oder Durchblutungsstörungen im Innenohr zu Schwindel führen.
Aber nicht nur Augen und Ohren, sondern auch ein zu niedriger Blutdruck oder plötzliche Blutdruckschwankungen bzw. -abfälle können Schwindel verursachen. Blutdruckbedingter Schwindel dauert länger an als Lagerungsschwindel und führt außerdem dazu, dass einem schwarz vor Augen wird. Erschwerende Faktoren sind Flüssigkeitsmangel oder langes Verharren in einer Körperstellung.
Nicht unterschätzen sollte man auch die Wirkung von Medikamenten. Nebenwirkungen eines Medikaments bzw. Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten können ebenfalls Schwindel auslösen.

Achtung: Bei akutem Schwindel mit Taubheitsgefühlen oder Lähmungserscheinungen unbedingt notärztliche Hilfe anfordern! Diese Symptome weisen auf einen akuten Schlaganfall hin.

Diagnose macht Sinn

Schwindelgefühle sind oft harmloser Natur, vor allem wenn sie nur gelegentlich und kurzzeitig auftreten. Sie können aber auch auf ernstzunehmende Erkrankungen hinweisen, wie etwa Durchblutungsstörungen im Gehirn, Angststörungen, Epilepsie, Parkinson oder Tumore.
Eine ärztliche Diagnose sorgt nicht nur für Klarheit, sie ermöglicht auch gezielte Therapie.
In den nachfolgenden Fällen sollten Sie jedenfalls ärztlichen Rat einholen:

  • Wenn zum Schwindelgefühl noch Begleiterscheinungen wie Atemnot,
  • Sehstörungen, Sprachprobleme, starke Kopfschmerzen, Übelkeit oder Taubheitsgefühle auftreten.
  • Wenn Schwindelattacken immer wieder intensiv und ohne äußere Ursache auftreten.
  • Wenn gewisse Kopfbewegungen immer wieder zu Schwindel führen.
  • Wenn Schwindel in bestimmten Situationen regelmäßig wiederkehrt, etwa in Menschenmengen, engen Räumen, beim Autofahren usw.

Behandlung und Vorbeugung

Nach richtiger Diagnose kann man Schwindel oft schon mit einfachen Maßnahmen zu Leibe rücken, etwa mit mehr Flüssigkeitszufuhr und regelmäßiger Bewegung.
Spielen Verspannungen im Nacken eine Rolle, können gezielte Dehnübungen oder Massagen Abhilfe schaffen. Auch ein ergonomisches Kopfkissen oder eine Veränderung bei der Matratze beugen nächtlichen Verspannungen vor.
Liegt die Ursache am Nachlassen der Sinne, so kann Physiotherapie mit gezielten Übungen fürs Gleichgewicht dabei unterstützen, das Zusammenspiel der Sinne zu trainieren und damit den Schwindel loszuwerden. Auch bei Lagerungsschwindel gibt es gezielte Übungen, die bei regelmäßiger Ausführung rasch Hilfe bringen können.
Wer unter psychisch bedingtem Schwindel leidet, profitiert von Entspannungsübungen, Gesprächstherapie oder moderater Bewegung, wie Yoga oder Tai-Chi.

Nicht geschwindelt!

Schwindel im Alter ist häufig, er ist aber auch gut behandelbar. Wer auf mögliche Ursachen und seinen eigenen Körper achtet, kann gezielt gegensteuern. Frühzeitige ärztliche Abklärung gibt dabei nicht nur Diagnose- und Behandlungssicherheit, sie sichert auch die Lebensqualität.

Was tun bei akutem Schwindel?

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