
Es tut so weh – Mit dem Tod leben lernen
Je älter man wird, umso häufiger ist man von Trauernden umgeben oder muss sich selbst damit auseinandersetzen, dass Partner, Freundinnen, Verwandte und Bekannte diese Welt für immer verlassen.
Die Zeit nach einem Trauerfall ist immer eine sehr schwierige. Für die unmittelbar Betroffenen ebenso wie für jene, die Beistand leisten möchten. Denn Trauer ist nicht nur eine normale und natürliche Reaktion auf den Verlust eines geliebten Menschen, sondern auch ein sehr individueller Prozess, den jeder Mensch auf ganz eigene Art und Weise lebt und erlebt. Große Gedrücktheit, Freudlosigkeit, Mutlosigkeit oder depressive Verstimmungen sind ebenso an der Tagesordnung wie Schlafstörungen oder allgemeine Unruhe. Viele Trauernde fühlen sich aufgrund ihres Gesamtzustandes phasenweise auch nicht mehr in der Lage, Alltagsaufgaben zu bewältigen. Der Prozess des Loslassens und der Auseinandersetzung mit den Gefühlen zur geliebten verstorbenen Person, die oft sehr ambivalent sein können, macht nicht nur die Trauerarbeit zu einem unglaublich fordernden Prozess, er macht auch das Helfen durch diese Zeit schwierig.
Grundsätzlich lassen sich bei Menschen vier Phasen der Trauer unterscheiden. Für diese Phasen gibt es keine allgemeingültigen Zeitspannen und auch keine Patentrezepte für deren möglichst rasche Bewältigung. So können Trauernde zum Beispiel innerhalb weniger Stunden zwischen zwei Phasen hin- und herspringen. Aber schon das Wissen über die vier Phasen kann dabei unterstützen, sich nicht ganz so hilflos zu fühlen, wenn man um jemanden trauert oder versucht, einem lieben Freund oder einer Bekannten bei der Trauerbewältigung Beistand zu leisten.
Erste Phase: Schock, Erstarrung & Betäubung
Betroffene wollen das Geschehene zunächst nicht wahrhaben. Sie können und wollen den erlittenen Verlust nicht akzeptieren. Sie wirken dadurch oft versteinert und gefühllos. Nicht selten wird der Verlust geleugnet. Wie ferngesteuert gehen sie den Aufgaben ihres Lebens nach und agieren, als hätte sich nichts verändert. Gleichzeitig stehen sie allerdings unter ständiger extremer Anspannung und Angst.
Zweite Phase: Vorwurf, Verzweiflung & Schmerz
Auf die Schock-Phase folgt die Zeit der chaotischen Emotionen. Der Verlustschmerz wird sehr intensiv erlebt, ist aber immer wieder unterbrochen durch Phasen voller Wut, Angst, Hilflosigkeit, Schuldgefühle und teilweise auch unbegründeter Heiterkeit. Viele Menschen verlieren in dieser Phase an Gewicht, leiden unter Schlafstörungen, suchen nach Schuldigen.
Dritte Phase: Abschied
Dieser emotionalen Achterbahnfahrt folgt die Phase des Suchens und Sich-Trennens. Der Verlust wird immer bewusster.
Einerseits suchen Betroffene in dieser Phase ganz stark nach ihrem verlorenen Partner, beschäftigen sich zum Beispiel intensiv mit Erinnerungsstücken. Andererseits vermeiden sie häufig Plätze und Orte, die an die verstorbene Person erinnern könnten, oder haben den Drang, alles wegzuwerfen, was an diese erinnert.
Diese zwei Verhaltensweisen lassen sich nicht vereinen. Schlussendlich bleibt nur zu akzeptieren, dass der Verlust von Dauer ist.
Vierte Phase: Neuorganisation & Neuorientierung
Nun nimmt das neue Leben, die neue Rolle ohne den geliebten Menschen an der Seite Form an. Das Leben wird reorganisiert, alte Gewohnheiten, die mit der verstorbenen Person zusammenhängen, werden abgelegt, Neues wird gesucht und entdeckt. Der Schmerz lässt nach, ein glückliches, erfülltes Leben rückt wieder in greifbare Nähe.
Auch nach Durchleben dieser vier Phasen kann der Schmerz um einen verstorbenen Menschen immer wieder aufbrechen und zwischendurch auch wieder ebenso heftig wie am ersten Tag erlebt werden. Trauer um einen geliebten Menschen verschwindet nie ganz – wie auch der geliebte Mensch selbst nie ganz verschwindet. Die Betroffenen lernen allerdings, mit dem Verlust umzugehen und ihn als Teil ihres Lebens zu akzeptieren. Im besten aller Fälle schaffen sie es sogar, diesen ohne Verdrängen in ihr Leben zu integrieren.
Unterstützung durch Familie und Freundeskreis, ein Zulassen des Trauerns, ein Gehalten-Werden, Sich-auffangen-Lassen und aktives Zuhören sind dabei von großer Bedeutung.

Anlaufstellen für Trauernde:
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