Dünn wie Papier oder stark wie Eisen? Ehen auf dem Prüfstand

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie noch heute? Wo das Märchen des Verliebens aufhört, beginnt eine feste Partnerschaft bzw. Ehe. Aus romantischer Schwärmerei wird eine Beziehung inklusive aller Höhen, Tiefen und gemeinsamen Entscheidungen, die eine dauerhafte Zweierbeziehung so mit sich bringt – und damit auch jede Menge Konfliktpotenzial.

Im Jahr 2024 gab es in Österreich zwar einen Rückgang bei den Eheschließungen, die Zahl der Scheidungen ist allerdings angestiegen: 36,5 % aller Ehen werden nur auf Zeit geschlossen bzw. vorzeitig beendet. Die mittlere Ehedauer bis zur Scheidung beträgt aktuell 10,5 Jahre.

Gibt es ein Rezept für Eheglück?

Ein australisches Forscherteam hat sich mit der Frage beschäftigt, wie es manche Paare ein Leben lang schaffen, sich nicht nur immer wieder zusammenzuraufen, sondern sich gegenseitig wirklich als Bereicherung zu erleben. Mit Hilfe von Onlinefragebögen und Interviews versuchten sie, den Geheimnissen glücklicher Paarbeziehungen auf den Grund zu gehen. Dabei kristallisierten sich fünf solcher geheimer Erfolgszutaten heraus: Entschlossenheit, Altruismus, gemeinsame Werte, Kommunikation und Kompromissbereitschaft.
Doch selbst wenn all diese Voraussetzungen gegeben sind, bietet das tägliche Miteinander jede Menge Möglichkeiten, um zu scheitern.

Beziehungsphasen, Risiken & Nebenwirkungen

Lange Beziehungen lassen sich in drei Phasen unterteilen: von der ursprünglichen Verliebtheit über den Vertrauensaufbau bis hin zur festen Bindung und Loyalität. Richtig gefährlich wird es in Phase 2, der Phase des Vertrauensaufbaus. Nach dem Abebben der anfänglichen Verliebtheit, dem sprichwörtlichen Abnehmen der rosaroten Brille, führen die Eigenheiten des Partners aber auch von einem selbst häufig zu Missstimmungen bis hin zu ernsthaften Zweifeln, ob man bei der Partnerwahl die richtige Entscheidung getroffen hat.

In Phase 3 lauert die Gefahr für langjährige Beziehungen dort, wo auch deren Stärke liegt: Man kennt den anderen mittlerweile richtig gut, ist mit ihm vertraut, an ihn gewöhnt. Der Gewöhnungsfaktor kann dazu führen, dass man sich nichts mehr zu sagen hat. Dass man die Anwesenheit des anderen als selbstverständlich wahrnimmt und ihm daher auch nicht mehr das Gefühl gibt, etwas Besonderes für einen selbst zu sein.

Fühlen sich Partner vom anderen nicht mehr wahrgenommen, wertgeschätzt, begehrt, reagieren sie häufig mit Rückzug oder Aggression, was wiederum beim Gegenüber zu Aggression oder Rückzug führt. Ist so eine negative Beziehungsspirale erst einmal in Gang gesetzt,kann man diese nur noch schwer stoppen.

Kleine Momente, große Wirkung

Wer seine Bedürfnisse kommunizieren kann, ist in Sachen langjährigem Beziehungs- bzw. Eheglück klar im Vorteil. Etliche Probleme können durch offene Kommunikation gelöst werden. Je schneller Belastendes angesprochen wird, desto weniger kann es brodeln und von der berühmten Mücke zum Elefanten anschwellen.

Dafür sollte man einen sicheren Rahmen schaffen, in dem sich beide Partner wohl genug fühlen, offen miteinander zu sprechen und auch Unangenehmes zum Thema zu machen.

Achten Sie im Alltag auch immer wieder zwischendurch bewusst darauf, wie Sie auf Angebote Ihres Partners, eine Verbindung zu Ihnen herzustellen, reagieren.
Nehmen wir an, Ihr Partner macht Sie auf den Sonnenuntergang aufmerksam: Sie können darauf mit emotionaler Zuwendung antworten, neutral oder sogar abweisend. Wer in der Mehrzahl solcher Momente positiv reagiert, hat bessere Chancen auf langfristiges Glück.

Jahr für Jahr die Liebe feiern

Paare sollten sich auch immer wieder bewusst Zeit nehmen, ihre Beziehung gemeinsam zu feiern. Dabei geht es nicht um teure Geschenke, sondern darum, dem Partner wieder einmal zu sagen, was man an ihm liebt und wieviel er einem Wert ist.

Bei Ehepaaren sorgt der Hochzeitstag zumindest einmal jährlich für einen fixen gemeinsamen Festtag. Feiert man nach einem Jahr Ehe noch die papierne Hochzeit, so ist die Beziehung im siebten Jahr laut Jubiläumskalender schon so fest wie Kupfer und beginnt, erste Patina anzusetzen.

Nach 25 gemeinsamen Ehejahren hat man endgültig bleibende Werte geschaffen und feiert demgemäß die silberne Hochzeit, nach 50 Jahren hat die Ehe allen Stürmen standgehalten und sich als fest und kostbar wie Gold erwiesen, nach 65 Jahren sind es eiserne Bande, die Eheleute verbinden, und nach 70 Jahren feiert man die Gnade eines so langen gemeinsamen Lebens.

Wer es zu zweit so weit schafft, freut sich über die Gnade eines langen Lebens, kennt und lebt aber vor allem das wichtigste Geheimnis einer langen Beziehung: gegenseitigen Respekt und Liebe, derer man sich gegenseitig nicht oft genug versichern kann.

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