
Doomscrolling
Im Zuge der Diskussion des Social Media-Verbots für Unter-14-Jährige liest man unterschiedlichste Begriffe. Über einen dieser Begriffe wollen wir Ihnen heute mehr erzählen: das sogenannte Doomscrolling.
Wir leben in schwierigen Zeiten: Nachrichten über Klimakrise, Naturkatastrophen, politische Konflikte, Kriege, Wirtschaftskrise und trübe Zukunftsperspektiven prägen unsere Medienwelt. Jugendliche sind permanent online und dabei mit einer schier unendlichen Zahl an Beiträgen rund um diese negativen Nachrichten konfrontiert – und oft auch schlichtweg überfordert.
Eine Umfrage der EU-Kommission aus dem Jahr 2024 zeigt, dass sich mehr als 70 Prozent der Jugendlichen in Österreich täglich via Social Media über das Weltgeschehen informieren. Jede:r Dritte gab an, die Flut an negativen Meldungen als belastend oder beängstigend zu empfinden.
Was bedeutet Doomscrolling?
Doomscrolling ist eine psychologische Negativspirale, die sich aus Neugier und Besorgnis speist und dank der Funktionsweise digitaler Plattformen, die Aufmerksamkeit mit immer noch mehr Inhalten ähnlicher Art belohnen, kaum mehr zu stoppen ist.
Der Begriff setzt sich aus doom (Unheil) und scrolling zusammen. Gemeint ist das unaufhörliche, oft unkontrollierte Scrollen durch Nachrichtenfeeds, Social Media Plattformen oder News-Apps mit dem Schwerpunkt auf negativen Nachrichten.
In der Hoffnung auf Kontrolle und Beruhigung wird immer weiter gescrollt und nach noch mehr Infos gesucht. So geraten Betroffene nach und nach in einen Strudel, aus dem sie sich nicht mehr lösen können. Und angesichts des Übermaßes an Negativinput, mit dem sie in diesem Strudel konfrontiert werden, tritt das genaue Gegenteil des eigentlich beabsichtigen Effektes ein: Das Ohnmachtsgefühl wird immer größer, und Angst und Erschöpfung machen sich breit.
Doomscrolling ist ein Phänomen unserer Zeit, dessen Ursache wir nicht abstellen können. Daher brauchen unsere Kinder und Jugendlichen Wissen und Fähigkeiten, um die Negativspirale zu verstehen, zu erkennen und zu durchbrechen. Und sie müssen lernen, wann genug Information auch wirklich genug ist.
Mit lebendigem Dialog gegen die Negativspirale
Sprechen Sie mit Ihrem Enkelkind regelmäßig über aktuell bewegende Nachrichten, sowohl positive als auch negative. Einfacher Ausgangspunkt kann die Frage sein, welche Nachricht Ihr Enkelkind aktuell besonders bewegt. Oder Sie berichten einfach kurz von einer Nachricht, die Sie besonders beschäftigt, und fragen Ihr Enkelkind nach seiner Meinung.
Nicht nur dass Ihnen derart der Gesprächsstoff nie ausgeht und Sie die Welt Ihres Enkelkindes noch besser verstehen lernen – im persönlichen Austausch werden auch etwaige Doomscrolling-Belastungen sichtbar, sodass der Negativspirale gemeinsam aktiv entgegengetreten werden kann.

