
Was tun bei Steinschlagschäden
Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, kennt es nur zu gut: Ein harmlos scheinender Steinschlag hinterlässt plötzlich einen tiefen Krater oder gar Riss in der Windschutzscheibe.
Der Ursprung dieses Ärgers liegt darin, dass das Vorderauto Steine und Kies aufwirbelt. Diese treffen wie Projektile mit hohem Tempo auf das Glas und sorgen für unschöne Absplitterungen und Risse, die die Sicht und Sicherheit nachhaltig beeinträchtigen.
Kleine Ursache – große Gefahr?
Zunächst eine kleine Entwarnung: Das Horrorszenario der sofort in tausend Teile zerberstenden Windschutzscheibe ist ausgesprochen unwahrscheinlich. Denn moderne Frontscheiben bestehen aus Verbundglas, das im Kern durch eine Folie stabil gehalten wird. Die Scheibe ist außerdem fest im Rahmen eingeklebt, was ihr zusätzliche Stabilität verleiht.
Trotzdem sollte man Steinschlag nicht auf die leichte Schulter nehmen. Eine Absplitterung oder ein Riss in der Windschutzscheibe können ein ernstes Sicherheitsrisiko darstellen. Einerseits, weil die Sicht zum Beispiel durch Lichtreflexionen beeinträchtigt wird. Andererseits muss die Scheibe unversehrt und stabil sein, damit der Airbag im Fall eines Unfalls den Aufprall abfangen kann.
Daher und um eine Vergrößerung des Schadens zu vermeiden, sollte man die Windschutzscheibe so rasch wie möglich reparieren lassen.
Was tun, wenn‘s passiert?
Ein kühler Kopf ist im Fall der Fälle der beste Ratgeber. Bleiben Sie einfach so rasch wie möglich an einem sicheren Ort stehen. Hier können Sie, falls notwendig, den Schrecken verdauen und vor allem auch den Schaden an der Windschutzscheibe in Ruhe begutachten.
Ist nur ein kleiner Krater sichtbar, können Sie diesen mit klarem Wasser oder reinem Alkohol reinigen und mit einem fusselfreien Tuch abtrocknen.
Anschließend sollten Sie die Schadensstelle mit einem Steinschlagpflaster aus dem Autozubehör abdecken. Alternativ können Sie dafür auch Sicherheitsfolie oder einfaches Klebeband verwenden. So verringern Sie die Gefahr, dass Schmutz und Feuchtigkeit eindringen und den Schaden vergrößern.
Scheibenkleister?
Im Baumarkt oder online findet man zu einem Preis um die 30 Euro verschiedene Reparatursets, um Steinschlagschäden selbst zu reparieren.
Erlaubt ist das allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Der Krater darf nicht größer als eine 2-Euro-Münze sein und muss sich auf der Scheibenaußenseite außerhalb des direkten Sichtfelds des Fahrersitzes befinden. Das Sichtfeld umfasst ausgehend von der Lenkradmitte die Fläche von je 14,5 cm nach rechts und links sowie von oben nach unten.

Expert:innen raten von der Selbstreparatur eher ab, da die Windschutzscheibe sicherheitsrelevant ist und eine unsachgemäße Selbstreparatur Folgen für das Pickerl haben kann.
Ein Fall für die Versicherung?
Verfügt man über eine Teil- oder Vollkaskoversicherung, sind Glasbruchschäden am eigenen Auto üblicherweise gedeckt. Eine Selbstbeteiligung in der Teilkasko fällt meist nur bei einem Scheibentausch an, Glasreparaturen sind meist kostenlos.
Nehmen Sie daher umgehend Kontakt mit Ihrer Versicherung auf, um eine etwaige Kostenübernahme abzuklären.
Ist der Schaden gedeckt, schickt man eine Schadensmeldung an die Versicherung, am besten mit ein paar Fotos aus verschiedenen Perspektiven.
Bei Unklarheiten bezüglich der Haftung (Schotter von einer LKW-Ladefläche oder Nichteinhalten der nötigen Sorgfalt seitens des Vordermannes, …) bietet z.B. die ÖAMTC-Rechtsberatung ihren Mitgliedern unter der Tel.-Nr. 01/711 99-21530 Unterstützung.
Viele Versicherungen sehen eine Werkstattbindung vor und verweisen nach der Schadensmeldung direkt an eine Partnerwerkstatt.
Kein Fall für die Versicherung?
Autofahrerclubs wie der ÖAMTC bieten ihren Mitgliedern spezielle Windschutzscheiben-Services an.
Bei ausgewählten Stützpunkten können Fahrzeuge bei entsprechender Mitgliedschaft günstig und schnell repariert werden.
Verhindern oder vorsorgen?
Steinschlag zu verhindern, ist nicht möglich. Durch Anpassung des eigenen Fahrverhaltens kann man das Risiko aber zumindest minimieren.
So sollte man etwa bei Schotterfahrzeugen, LKWs und Baustellenfahrzeugen besonders viel Abstand halten. Auch auf Landstraßen sind die steinige Geschosse nicht selten. Hier kann langsames Fahren das Risiko verringern.
Im Fall der Fälle hilft ein kleines Steinschlagpflaster im Handschuhfach, kleinere Krater erstzuversorgen und vor Verunreinigung und Nässe zu schützen. So weitet sich der Schaden nicht noch unnötig aus.
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